Ursachen

Posted by admin | Filed under Allgemein | Aug 6, 2007 | No Comments »

 

Das traditionelle tiefenpsychologische oder psychoanalytische Konzept geht davon aus, dass Patienten mit Borderline-Störungen an einer so genannten “frühen Störung” leiden, viele Borderline-typischen Denkweisen seien entwicklungspsychologisch früheren Lebensabschnitten zuzuordnen. Belastungen im zwischenmenschlichen Bereich, häufig mit der Mutter oder anderen wichtigen Bezugspersonen, führten dazu, dass die Reifungsentwicklung nur teilweise vollzogen wurde. Unter Belastung sollen die “erwachseneren”, das heißt “reiferen” Anteile nicht mehr funktionieren, und den Betroffenen bleibe nichts übrig, als sich durch die Aktivierung frühkindlicher Denkmechanismen vor dem vollständigen Zusammenbruch zu schützen. Die Folge sei eine intensive Abhängigkeit von äußeren Bezugspersonen, die wechselseitig geliebt und gehasst werden. Dies komme daher, dass die betroffenen Patienten einen wichtigen Entwicklungsschritt, der sich im Alter zwischen 2 und 3 Jahren abspielen sollte, nicht vollständig vollziehen konnten: zu lernen, dass geliebte Bezugspersonen nicht vollkommen sind, dass sie nicht ausschließlich gut sind oder immer zur Verfügung stehen, sondern dass diese auch unangenehme und negative Eigenschaften haben. Die Psychoanalyse nimmt nun an, dass diese fehlende Integration sogenannter guter oder böser Anteile zu massiven inneren Spannungen führt, die von den Betroffenen nicht ausgehalten werden. Um diese Spannungszustände zu bewältigen, versuchen die Betroffenen wechselnd die guten oder bösen Anteile nach außen zu lagern (zu projizieren). Damit wird die innere psychische Spannung etwas reduziert, es besteht jedoch eine massive Abhängigkeit zu äußeren Personen. Diese Theorie basiert auf klinischen Beobachtungen und der Annahme, dass krankhafte Phänomene im Erwachsenenalter fast immer auf unbewältigten Prozessen der Vergangenheit basieren. Die Konsequenz aus dieser Theorie für die psychotherapeutische Behandlung besteht darin, dass angestrebt wird, eine intensive therapeutische Beziehung herzustellen, um im Rahmen dieser Beziehung “Nachreifungsprozesse” zu gewährleisten. Diese Vorstellung und Behandlungsmethode galt jahrzehntelang als Therapie der Wahl, von Kritikern wird allerdings angemerkt, dass es keine wissenschaftlichen Untersuchungen gibt, die die Wirksamkeit bewiesen hätten.


 

 

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